So wie wir die MOODY gekauft hatten, konnte man sie gut segeln. Man hätte sie nicht umbauen müssen.
ABER, es sollte ja unsere MOODY werden, nicht eine wie viele!!!
- Wer keine Arbeit hat, sucht sich welche -
Also ging es los.
Noch vor der Überführung von Greetsiel nach Delfzijl: Bodenbretter ausbauen (die waren ALLE verschraubt) mit nach Hause nehmen, abschleifen, neu lackieren.
Gut, das ich davor die Hechtschip gebaut hatte. Alle Geräte (FESTOOL) waren ebenso vorhanden wie das know how, auch für die noch kommenden Arbeiten.
Unter den Bodenbrettern und in allen erreichbaren Winkeln wurde der 30 Jahre alte "Staub" sorgfältig entfernt, die Bilge neu gestrichen und welch ein Wunder, der modrige Geruch verschwand.
Zur besseren Durchlüftung wurden noch Lüftungsgitter in die Seitenwände der Sitzbänke und Schrankwände eingebaut.
Im Winterlager war dann Zeit für zeitaufwendigeres Refit.
- Unterwasserschiff
Zuerst musste das alte Antifouling bis auf das Gelcoat entfernt werden.
Der erste Versuch es abzuschleifen scheiterte grandios.
Trotz FESTOOL-ROTEX dauerte es zu lange und man hätte eine Menge Schleifscheiben verbraucht.
Der nächste Versuch es mit Chemie loszuwerden scheiterte schon bei unserer HECHTSCHIP.
Blieb also noch die Option, das alte Antifouling abzuziehen.
Auch das war seeeehr mühsam. Eine gute Schutzmaske, Overall und eine Plastifolie um den Hallenboden abzudecken, war ein absolutes Muss.
Trotz Absaugen waren die Haare jeden Abend "eingefärbt". In unserem Falle, blau.
Danach wurden 4 Lagen SIGMACOVER -280, EPOXI-Primer, auf das gereinigte Unterwasserschiff aufgetragen. (hat sich sehr bewährt!)
Gut trocknen lassen und dann kam 2024 das neue Antifouling auf das Boot. Zugelassen für Deutschland, verboten in den Niederlanden, aber dennoch am Saisonende Bewuchs wie noch NIE! (2024, Boot wenig bewegt, keine langen Reisen)
In der Ems und Nordsee ist der "Bewuchsdruck" hoch (Siehe Umwelt-Bundesamt , Bewuchsatlas)
Laut Bundesamt gibt es auch Reinigungsroboter, Planen und Bootshebeanlagen.
Schön zu wissen, aber leider etwas realitätsfremd für eine Segelyacht.
Die Vorschriften-Sammlungen sind endlos lang, alleine beim Bundesamt.
Insgesamt hat sich unsere Bürokratie offenbar wieder einmal ausgetobt.
Ab 2025 erhalten Kunden keinen direkten Zugang mehr zu Antifoulings und müssen sich von sachkundigen Personen beraten lassen.
Schade, dass unsere Yacht so klein ist. Bei Berufsschiffen gelten ja andere Vorschriften.
Aber es ist schon klar: Große (Berufs-) Schiffe belasten die Umwelt wegen ihrer Größe ja auch weniger als Sportboote.
Mal sehen was ich ab 2025 so mache.
Ach ja, zuerst einmal das alte, umweltschonende "Antifouling" wieder komplett runter.
Ich habe so den Verdacht: wir sollen gar nicht segeln, lieber anders in Urlaub fahren / fliegen.
- An Deck
Da das Boot von Hause aus über keine Scheuerleiste verfügte, der Rumpf aber unterhalb
der Relings-Leiste breiter wird, haben wir rund um das Boot, kurz unterhalb der
Relings-Leiste, ein quadratisch geflochtenes Tau angebracht.
Neben dem vorhandenen Rettungsring mit einer 40 m Leine auf einer Trommel,
wurde an den hinteren Relingkörben angebracht:
- eine Rettungsinsel von VIKING,
- Ein Heck-Anker, Typ M, mit Halterung,
- 60 m Gurtband auf einer Rolle, für den Heck-Anker (braucht man oft in
Skandinavien zum Festmachen an Bojen oder an Schären)
sowie eine Aktiv-Antenne für den Wetterempfänger.
Der vorhandene Plugscharanker wurde durch einen 16 kg ULTRA-Anker von
Ultra Marine Ancors ersetzt.
Die ebenfalls vorhandene, verzinkte Ankerkette von 40 m Länge, wurde mit einer
Edelstahl Kette von 20 m ergänzt. Das genügt auch zum sicheren Ankern auf den
englischen Kanalinseln bei 10 m Tidenhub.
Von der achteren Klampe bis zum Bug wurden beidseitig Streck-Gurte montiert.
So kann man gut gesichert vom Cockpit auf das Vorschiff gelangen und dort arbeiten.
Bei starkem Regen tropfte das Regenwasser auf den Navigations-Tisch.
Als Ursache wurde eine Leckage bei der feststehenden Plexiglas-Scheibe der
Sprayhood ausgemacht.
Die etwas undurchsichtige Plexiglas-Scheibe wurde demontiert, poliert und neu
eingedichtet.
Eine weitere Leckage fand sich am Backbord - Seitenfenster. Hier war eine neue
Moosgummi - Abdichtung die Lösung.
- Rigg und Segel.
Auf Grund der guten Erfahrungen mit einem Kutterstag, sowohl auf der OVNI, wie
auch auf der HECHTSCHIP, sollte auch die MOODY damit ausgerüstet werden.
Dazu waren folgende Änderungen / Ergänzungen notwendig:
- Am Mast:
- Kutterstag Befestigung.
- Rollenkasten.
- An Deck:
- Kutterstag-Fußpunkt Befestigung aus 5mm Edelstahl im Ankerkasten.
- Ankerkasten-Deckel entsprechend umbauen.
- zwei Genua-Schienen mit Schlitten auf Deck montieren und unter Deck mit
Gegenplatte sicher befestigen.
- zwei 28er selbstholende ADERSEN Winschen am Cockpit montiert
- Segel:
- Starkwind-Fock und Sturmsegel bei der SEGELWERKSTATT-STADE neu beschafft.
- Ausbaumer für Genua und Fock beschafft und an Reling montiert.
Weiter wurden am Mast folgende Änderungen vorgenommen:
- Mast-Stufen montiert.
- Neue Kombi-Beleuchtung für Dampferlicht und Decklicht angebaut.
- LED-Ankerlicht, LED-Blitzlicht (Eigenentwicklung) und Windex-Beleuchtung
im Masttop montiert.
- Aktiv-Antenne für TV und Radio, ebenfalls im Masttop montiert.
- Für Zusatzbeleuchtung und Antenne neue Kabel in den Mast eingezogen.
- Wand und Deckenverkleidung.
Die Boote aus den 1990ern wurden gerne mit schaumkaschierten Wand / Deckenverkleidungen ausgekleidet. Einfach und kostengünstig. Leider löste sich im Zuge der Zeit der Schaumstoff auf. Das
Ergebnis: herabhängende Decken.
Besonders stark war dieser Effekt bei Booten aus französischer Produktion zu beobachten.
Bei älteren FEELING - Yachten, die wir uns angesehen hatten, war dieser Effekt besonders stark festzustellen. Aber auch unsere JEANNEAU und die MOODY zeigte diesen Effekt.
Während bei den anderen Yachten der Wand / Deckenbelag direkt auf das GFK geklebt wurde, hatte man bei der MOODY 6 mm Holzpaneele überzogen.
Die Reparatur war dadurch sehr viel einfacher. Die Holzpaneele konnten einfach abgeschraubt und der Belag abgezogen werden.
Reste der Schaumkaschierung wurden abgeschliffen und dann neu mit dünnem Kork beklebt, auf den zum Schluss weiße Farbe mit einer Schaumrolle aufgebracht wurde.
Den Kork hatten wir auch auf der HECHTSCHIP verwendet und nach 10 Jahren sah er noch immer wie neu aus.
- Motor / Antrieb
Aus Unachtsamkeit wurde der Motor, THORNICROFT-90, längere Zeit bei geschlossenem Kühlwasser-Ventil betrieben.
Die Impellerpumpe war offenbar heiß gelaufen, hatte ALLE Flügel verloren und leckte.
Wo waren die Reste der Impellerpumpem Flügel geblieben?
Der Wärmetauscher wurde sicherheitshalber zerlegt, geprüft und gereingt:
Danach wurde eine neue Wasserpumpe eingebaut und vor dem Wärmetauscher ein Grobfilter installiert.
Der Antriebsstrang wurde komplett erneuert.
SPW - Flexkupplung, SPW Wellendichtung, Propellerwelle (jetzt DIN nicht englisch),
SPW Variprob 3-Blatt Drehflügelpropeller.
Es wurde bei der Wellendichtung (seit über 1 Jahr komplett trocken) eine elektrische Lenzpumpe installiert und am Seeventil ein Schalter montiert, mit dessen Hilfe gewarnt wird, wenn das Ventil geschlossen ist und der Motor gestartet werden soll.
(Lektion gelernt).
Nebenbei wurde der Motorraum gründlich gereinigt.
Es stellt sich auch kurz die Frage, wie es denn währe, wenn wir von Diesel auf Elektroantrieb wechseln würden:
Dazu ein paar Gedanken.
Wir sind häufig in Strömungsgewässeren und auf See unterwegs. Der Motor müsste mindestens über eine Leistung von 2,5 kW/t bzw 3,5 PS/t verfügen. Bei unserer MOODY mit einem Gewicht von über 6t währen das minimal 15 kw oder 20 PS.
Unser Diesel leistet 32 PS bzw 24 kW.
Bei einer Akku-Kapazität bis ca 20kWh könnten Lithium Akkus von 48V verwendet werden.
Bei größerer Kapazität müsste auf 360 - 400 V umgestellt werden. [Qulle ELAN-Oceanvolt]. Das macht die Sache noch komplexer, also bleiben wir mal bei 48 V und 20 kWh.
Bei einer Akkukapazität von 20 kwh bei einem Verbrach das Motors von 20 kW, könnten wir maximal 1 Stunde bei 5 kn, als 5 sm, mit Motorantrieb fahren. Danach wäre der Akku aber komplett leer.
Der Akku kann natürlich auch vom Boot selbst geladen werden.
Wenn man SEGELT kann die Schiffssschraube ca. 0,4 kwh liefern.
Also: Akku 20 kwh mit 0,4 kwh wären das 50 Stunden lang laden, von komplett leer bis 100% voll. Aber Achtung: Ladeverluste mit berechen, dann sind es 50 h * 20% mehr = 60 Stunden.
Solarpanels können 0,2-0,3 kwh dazu beitragen. Entsprechend große Panels, Sonnenschein, nach der Sonne ausgerichtet, kein Schatten, vorausgesetzt.
Genauer zu rechnen lohnt sich nicht, da wir zum Durchfahren des Nord-Ostee-Kanals
von Brunsbüttel nach Rendsburg schon 36 sm zurück legen müssten. Dazwischen kann man nicht aufladen. Und selbst wenn; wir müssten dann 6 x über Landstrom laden!
Auch bei Flaute auf der Norsee könnte es unangenehm oder sogar gefährlich werden.
So konnten wir am 01.Juni 2023 von Norderney nach Helgoland, Gesamtstrecke 47 sm, nur 27 sm segeln, 20 sm mussten wir motoren, oder in die Nacht hinein "segeln".
Von Helgoland nach Brunsbüttel (Wind NW mit 5 kn) mussten wir 36 sm motoren und konnten nur 16 sm segeln. Nur segeln war keine Option; wir mussten die Tonne Elbe-1 bei Niedrigwasser erreichen.
Also: es bleibt es beim Diesel.
- Elektrik
Die Elektrik funktionierte.
ABER:
- Der 230 V Landstrom wurde gerne einmal mittels Steckdosenleiste an die
Verbraucher weitergeleitet.
- Sicherungen oder gar FI-Schalter suchte ich vergebens.
- 12 V Sicherungen waren an diversen Stellen im Boot eingebaut.
Wie findet man da eine defekte Sicherung?
Wie war das eigentlich alles zusammen geschaltet?
Zuerst wollte ich nur etwas "aufräumen", erkannte aber sehr schnell,
das wird so nichts.
Dann doch lieber alles neu!
- Sicherung und FI-Schalter für den Landstrom.
danach direkt EINE Steckdose (für leistungsstarke Verbraucher).
- Trenntrafo für 1,5 KW im Motorraum mit erneuter Sicherung und FI-Schalter an
zentraler Stelle am Niedergang.
- Spannungswandler 300 W von 12 VDC auf 230V AC, ebenfalls mit separater Sicherung
und FI-Schalter.
- an gleicher Stelle Sicherungen für die 12 V Spannungsversorgung, getrennt nach
Navigation- und Service- Verbrauchern.
- Ebenfalls am Niedergang, Notausschalter für alle Akkus ( Motor - Starter, Navigation
und Service.
- Ein zusätzlicher Schalter, mit dessen Hilfe man den Motor auch dann starten kann,
wenn der eigentliche Start-Akku defekt ist.
- Ein 3-fach Ladegerät für alle Akku's.
- Ladestromverteiler (Eigenentwicklung) von der Lichtmaschine auf jeden Akku.
- Regler für mobile Solarzellen.
Man kann das Ganze sicherlich auch einfacher machen (Kein Trennakku, kein Spannungswandler, kein Ladestromverteiler), aber für mich passt das so und ich habe alles im Überblick.
Die etwas abenteuerlich montierte WEBASTO Heizung wurde stabil in der Backskiste befestigt.
Der Kühlschrank-Kompressor war leider nach kurzer Zeit defekt und es wurde eine moderne Kühlbox ISOTHERM ITC-3201 eingebaut
- Elektronik (jetzt wird es schlimm)
Es fängt aber zuerst einmal harmlos an.
Die Navigations-Elektronik war auf dem neuesten Stand. Alles von RAYMARINE.
Plotter C125, 3x Instrumente i70, Radar digital, Selbststeueranlage EVI-ACU, Controller P70.
Neu hinzu kam noch ein weiteres i70 am Navigationstisch, AIS-360 Transponder, Antennensplitter, RAY-90 UKW Funkgerät,
Wetteremfänger (LW, MW, KW und NAVTEX) WIB4S von Mörer, wird leider nicht mehr hergestellt, konnte aber von der Hechtschip übernommen werden.
Ein IC-M91D Handfunkgerät und ein BLP-Fastfinder rundete die Ausrüstung ab.
Es fand sich auch noch ein Autoradio und ein DVB-T Fernseher (vom Vorbesitzer, hätte ich nicht unbedingt eingebaut)
Jetzt kommt der unangenehme Teil.
Die selbst entwickelte und gebaute "Zentral-Elektronik" wurde eingebaut.
Dazu musste zuerst einmal das alte Bedienpanel ausgebaut und der Raum hinter dem Panel entkernt werden.
Jetzt wurden UKW-Funk, AIS, Splitter und die Zentralelektronik und die "Russische- Lösung" (mechanische Schalter, falls die Elektronik einmal ausfallen sollte) eingebaut. Danach folgten jede Menge Sicherungen, Verteiler, Unterverteiler und Verkabelungen, die zuvor mühevoll im Boot neu eingezogen werden mussten.
Im Kapitel "Zentral-Elektronik" gibt es nähere Informationen über die Funktionsweise der
Zentralelektronik.